Du durchsuchst gerade das Monatsarchiv für den Juni 2009.

Ich bin erschüttert…

Ich bin betroffen…

Ich bin zornig!

Der Grund? -> “Neda, die Märtyrerin”

Natürlich musste ich daraufhin das Video auf youtube suchen. Der Tod eines Menschen – nur einen Mausklick entfernt.

Entmenschlicht das die gezeigte Person? Beraubt es sie ihrer Würde?

Oder zeigt es uns vielmehr unsere Ohnmacht, unser Versagen und die Entmenschlichung der Täter auf?

Als ich diesen Artikel gelesen habe, lief im Hintergrund “Watching TV” von Roger Waters. Ein Song, der beschreibt, wie eine junge chinesische Studentin beim Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens erschossen wurde.

Won’t you shed a tear
For my yellow rose
My yellow rose
In her bloodstained clothes

Auf dem Karekar Avenue in Teheran ist nun dasselbe geschehen wie vor fast genau 20 Jahren auf dem Tiananmen-Platz. Ein Mensch stirbt und die Augen der Welt sind auf ihn gerichtet.

Und damit natürlich auch auf die Täter.

Wie lange wollen sie eigentlich noch das Blaue vom Himmel herunterlügen?

So get out your pistols
Get out your stones
Get out your knives
Cut them to the bone
They are the lackeys of the grocer’s machine
They built the dark satanic mills
That manufacture hell on earth
They bought the front row seats on Calvary
They are irrelevant to me

Ich seh mir das Video ein zweites Mal an…

Nein, dieses Video entmenschlicht die sterbende Person nicht. Es macht sie nicht zu einer simplen Figur.

Es zeigt vielmehr einen sinnlosen Tod eines jungen Mädchens, völlig unvermittlet…zur falschen Zeit am falschen Ort. Erschossen von einem treuen Diener des iranischen Staates!

Wenn dieses Video die Menschen nur ein bißchen wachrüttelt, dann war der Tod eventuell wenigstens nicht umsonst…

And she is different from Cro-Magnon man
She’s different from Anne Boleyn
She is different from the Rosenbergs
And from the unknown Jew
She is different from the unknown Nicaraguan
Half superstar half victim
She’s a victor star conceptually new
And she is different from the Dodo
And from the Kankabono
She is different from the Aztec
And from the Cherokee
She’s everybody’s sister
She’s a symbolic of our failure
She’s the one in fifty million
Who can help us to be free
Because she died on TV

oder: Baby this town rips the bones from your back!

800px-Bamberger_Dom
Zugegeben, es mag weit hergeholt sein, aber irgendwie beschleicht mich bei längerem Hören von Springsteen-Songs der Verdacht, daß man etliches daraus auch auf diese beschauliche Regnitzstadt beziehen kann.

Everybody’s out on the run tonight but there’s no place left to hide

Eines der Hauptprobleme dieser Stadt: Nichts bleibt im Verborgenen!

Man kann im Grunde nichts machen, ohne dass irgendjemand von irgendjemanden, der wiederum jemanden kennt, der das gesehen hat, gehört hat, was man nun gemacht hat…oder auch nicht.

Netzwerke sind was feines und schönes, aber privat ist man irgendwie nirgends. Und nichts ist anscheinend privat. Fehltritte können auch gerne mal zu Leuten getragen werden, von denen man noch nie gehört hat. Gut, auf eine gewisse Art und Weise versprüht das einen dörflichen Charme, aber wollte man dem durch einen Umzug in die Stadt nicht entkommen?

We gotta get out while we’re young

Es ist wichtig, rechtzeitig den Absprung zu schaffen. Andernfalls legt sich die bierselige Gemütlichkeit wie ein Schutzmantel um einen und man wird (musikalischer Exkurs!) comfortably numb!

Man muss dazu sagen: Die Stadt bietet ein wunderbares Ambiente zum Studieren, aber wenn man nicht aufpasst, wird man von dieser Stadt assimiliert und kauft sich die fränkische Karte als Globus.

It’s town full of losers
And I’m pulling out of here to win

Irgendwie klingt das jetzt alles ziemlich desillusionierend. Kommen wir lieber zur anderen Seite der Medallie.

Die ganzen oben aufgeführten Nachteile haben selbstverständlich auch positive Aspekte.

Here everybody has a neighbor
Everybody has a friend
Everybody has a reason to begin again

Wenn man einigermaßen integriert ist, fällt es schwer allein zu bleiben – kein so schlechter Nebenaspekt.

Nobody crowds you and nobody goes it alone

Man geht raus, spaziert herum, trifft hier und da mal jemanden, ist nicht isoliert…es sei denn man legt es darauf an.

Together we could break this trap

Wichtig ist nicht die Stadt, sondern die Leute, mit denen man sich umgibt. Wenn das passt, klappts auch mit dem Rest.

I turn back for a moment and catch a smile
That blows this whole fucking place apart

P.S.: Wer alle Songs erkennt, bekommt einen Kaffee im Fisherman’s ;)

Noch so einer…

Was macht man, wenn einen die gängigen Ersatzhandlungen wie Kochen, Putzen, Wäschewaschen etc. nicht mehr zur Genüge von den wirklich wichtigen Dingen wie Studium, Arbeit oder Lebensplanung betreiben ablenken:

Man dreht sich genügend Zigaretten, setzt sich vor den Monitor und taucht ein in die Welt des Bloggens!

Aber wie zur Hölle soll man jetzt eigentlich anfangen?

Versuchen wir das Ganze doch einmal ganz klassisch: Was möchte der Blogger hiermit erreichen?

Wenn man pathetisch sein will, könnte man so wunderbare Phrasen bemühen wie

  • informativ unterhalten
  • den Zeitgeist kritisieren
  • Denkanstöße bieten
  • gegen die ach so vielen Ungerechtigkeiten anschreiben
  • versuchen, mit dem Wort die Welt zu verbessern…etc. pp.

Wenn wir das aber wieder auf einer etwas gemäßigteren Ebene angehen wollen, bleibt zum Sinn des Ganzen eigentlich nur folgendes zu sagen:

Es ist in erster Linie ein Experiment.

Wozu sich im Vorfeld großartig Gedanken über Thematik machen, wenn man erst mal selber sehen muss, ob und v.a. wie das alles hier funktioniert…

Bis dahin versuche ich einfach hier ein wenig Spaß zu haben, meine eigene subjektive Meinung wiederzugeben und vielleicht den ein oder anderen lesenswerten Beitrag zu erstellen. Ob das nun in die Richtung Irritationen des Alltags, Musik, oder etwas vollkommen anderes geht…mal sehen.

Puh…erster Eintrag geschafft und die Waschmaschine hat auch fertig geschleudert – auf zur nächsten Ersatzhandlung!

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